App-Käufe durch Kinder – so gehen Sie gegen ungewollte Rechnungen vor

von Dipl.-Jur. Niklas Mühleis, LL.M.

Wenn die eigenen Kinder sich mit vermeintlich kostenlosen Spielen die Zeit vertreiben, kann es mitunter überraschend teuer werden. Die meisten sog. Free-2-Play-Titel werben zwar damit, dass sie umsonst gespielt werden können, verführen jedoch meistens zu sog. In-Game-Käufen. Mit diesen rechtlichen und praktischen Tipps können Sie überteuerte Forderungen abwehren oder sogar von vorneherein komplett vereiteln.

Die Irreführung von Nutzern und Erziehungsberechtigten fängt meist bereits beim Namen an. Viele Spiele, zumeist Browser- und Handy-Games, bezeichnen sich selbst als Free-2-Play, sprich: kostenlos spielbar. Auch wenn die in aller Regel auf Kinder als Zielgruppe zugeschnittenen Spiele ohne Kosten installiert und gespielt werden können verbirgt sich dahinter in aller Regel ein durchdachtes Geschäftsmodell. Denn sobald ein gewisser Fortschritt im Spiel erreicht ist, stößt man als Spieler an Grenzen. So nimmt z.B. der Bau eines Gebäudes plötzlich viele Echtzeit-Stunden oder gar -Tage in Anspruch und kann nur durch die Zahlung von 99 Cent beschleunigt werden. Zusätzliche Ausrüstung ist nur im Austausch gegen eine kostenpflichtige Premium-Währung erhältlich.

Auch bekannte Spieletitel wie etwa Fortnite, League of Legends oder Counter Strike: Global Offensive locken mit ähnlichen Methoden. Hier ist das Grundspiel ebenfalls umsonst, doch die kostenpflichtigen Extras bestehen hier in kosmetischen Gegenständen und Gesten mit denen sich der Spieler anderen präsentieren kann. Insbesondere Fortnite hat mit seinem comicähnlichen Look überwiegend Kinder als Spieler, welche für teure In-Game-Käufe meist auf das Geld ihrer Eltern angewiesen sind.

Was kann man tun?

Viele Erziehungsberechtigte erfahren meistens erst, dass Ihr Kind auf virtueller Einkaufstour gewesen ist, wenn die erste Rechnung auftaucht. Diese hat es dann auch oft so richtig in sich. So gab es schon Fälle, in denen 3.000,00 Euro für Schlumpfbeeren oder 500,00 Euro für virtuelles Heu von Kindern ausgegeben. Wenn die Handy-App per Push-Nachricht dazu auffordert für 90,00 Euro Juwelentruhen, Schlumpfbeeren oder Diamantenkisten zu kaufen, dann wird dies von vielen Minderjährigen gar nicht hinterfragt. Insbesondere wenn die Zahlung ein schnelles Vorankommen oder erhebliche Vorteile im Spiel verspricht, ist die Zahlungsabfrage schnell mit „Ja“ bestätigt.

Die gute Nachricht: Wenn der Nachwuchs ohne Erlaubnis eingekauft hat oder sich sogar Zugang zu den Zahlungsdaten der Eltern verschafft hat, kann man sich gegen die Rechnung in der Regel erfolgreich zur Wehr setzen.

Im ersten Schritt sollte der Rechnungssteller darauf hingewiesen werden, dass der fragliche Einkauf durch ein minderjähriges Kind getätigt wurde. Kinder zwischen 7 und 18 Jahren sind gem. § 106 BGB beschränkt geschäftsfähig. Stimmen die Erziehungsberechtigten einem Geschäft, wie zum Beispiel einem Kauf, nicht zu, so ist dieses rechtlich gesehen „schwebend unwirksam“. In der Vergangenheit haben sich die beiden größten App-Anbieter Google und Apple in einigen Fällen bereits dazu bereiterklärt, Zahlungen aus App-Einkäufen von Minderjährigen zurückzuerstatten.

Wenn der Rechnungssteller sich nicht so kulant zeigt, muss leider Rechtsweg beschritten werden. In der laufenden Rechtsprechung wird dabei zwischen verschiedenen Konstellationen unterschieden die dafür entscheidend sind, ob eine Rückerstattung möglich ist.

Minderjähriger hatte Zugang zu Zahlungsinformationen

Wenn die Erziehungsberechtigten dem Minderjährigen bewusst Zugriff auf Zahlungsmittel gewährt haben – indem sie diesem bspw. ein Smartphone mit hinterlegten Kreditkartendaten überlassen haben – so scheidet ein Rückzahlungsanspruch regelmäßig aus. Der Bundesgerichtshof (BGH) nimmt in solchen Fällen eine Haftung der Eltern nach dem Stellvertreterrecht an (Urteil v. 11.05.2011 – VIII ZR 289/09). Damit wird ein großer Teil der Verantwortung für die App-Einkäufe von Minderjährigen in die Hände der Erziehungsberechtigten gelegt. Eltern sollten also grundsätzlich dafür Sorge tragen, dass der Nachwuchs gar nicht erst unerlaubt App-Einkäufe tätigen kann.

Minderjähriger hat sich Zugang zu Account oder Zahlungsinformationen verschafft

Eine Haftung ist hingegen dann zu verneinen, wenn sich Minderjährige selbstständig, ohne Erlaubnis der Eltern, Zugang zu Zahlungsinformationen, Accounts oder Passwörtern verschafft haben, um App-Käufe tätigen zu können. Eine Haftung ist dann grundsätzlich nicht gegeben, da sich der Kontoinhaber nicht Erklärungen unbefugter Dritter zurechnen lassen muss. Sollte ein solcher Fall vorliegen, muss ein entsprechender Missbrauch durch den eigenen Nachwuchs noch glaubhaft dargelegt werden. Hier kann in der Praxis anwaltlicher Rat sehr hilfreich sein.

Vorkehrungen sparen Geld und nerven

Im besten Falle hat man jedoch bereits im Vorfeld alles getan, um In-App-Käufe durch den eigenen Nachwuchs zu verhindern. So gibt es bei Smartphones, sowohl bei iOS und als auch bei Android, die Möglichkeit In-App-Käufe zu deaktivieren (Anleitung hier). Auf dem PC sollten Kinder eigene Nutzer-Accounts ohne Zugang zu Passwörtern oder dem PayPal-Account der Eltern haben. Zudem sollte die Kreditkarte, welche gerade bei Browser-Games als Zahlungsmittel sehr beliebt ist, sicher verwahrt und sämtliche Abbuchungen regelmäßig kontrolliert werden.

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